Sushi und Handschuhe

Freitag, 04.10.2013

Im Freizeitpark mit HildurSushi mit Handschuhen

Am 19. 09 war das Mondfestival, ein Feiertag, an dem die Familie zusammen kommt und zusammen zu Abend isst, den Mond betrachtet und Mondkuchen isst. Am Tag vorher hat meine Familie mir aber eine SMS geschickt, in der stand, dass wir das Mondfestival nicht zusammen feiern können und doch nicht, wie geplant zusammen nach Yichun fahren. Ich konnte also selber etwas unternehmen. Da ich unbedingt feiern wollte, habe ich den Tag zusammen mit Hildur und ihrer Familie verbracht.

Am nächsten Tag bin ich mit meiner Familie und Hildur zum Tigerpark gefahren und anschließend zum Flussufer, wo mein Onkel plötzlich ein Zelt aufgebaut hat. Nach einer halben Stunde sind wir aber abrupt aufgebrochen. Samstag bin ich dann mit ein paar Austauschschülern ausgegangen. Natürlich sind wir auch in eine Karaoke Bar gegangen ;)

Am nächsten Tag (Sonntag!) mussten wir zur Schule gehen, weil ich wegen des Mondfestivals ja drei Tage frei hatten. Das war aber nicht so schlimm, weil wir drei die Schule früher verlassen durften, um zur Kong Fu Schule zu fahren. Wir lieben Kong Fu :D Es ist wie im Fernsehen. Am Anfang und am Ende der Stunde müssen wir uns vor der Flagge verbeugen, um unseren Respekt gegenüber China zu demonstrieren.   Wir  drei sind in einer Gruppe mit kleinen chinesischen Jungs, die alle besser sind als wir. Wir müssen uns dehnen und Spagat machen, dabei geht die Lehrerin herum und drückt uns noch weiter auf den Boden. Manche Jungs fangen dann an zu weinen, aber die Eltern sehen nur zu, oder wischen ihnen die Tränen weg.

Als wir in einer Tischtennis Stunde wieder einmal sprinten mussten, bin ich umgeknickt. Ich habe meinem Lehrer gesagt, dass mein Fuß wehtut und dann hat er eine merkwürdige, stinkende Flüssigkeit geholt und meinen Fuß damit eingerieben und massiert. Danach ging es mir erstaunlicherweise besser.

Letzten Samstag bin ich wieder mit Gaia und Hildur ausgegangen  :D  Diesmal ist uns aber etwas Verrücktes passiert.  Als wir im selben Shopping Center waren, in dem wir letztes Mal zwei Italiener getroffen haben, haben wir wieder andere Ausländer getroffen. Wir haben sie angesprochen und herausgefunden, dass sie AFS Austauschschüler sind, die in Jiamusi, einer anderen Stadt in Heilongjiang,  leben.  Das waren ein Junge und ein Mädchen aus Australien und ein anderer Junge aus Island(!!!!!) Aus ganz Island sind zur zweit nur zwei Schüler in China und die treffen sich zufällig! Hildur war so aufgeregt, denn in Island sind sie auf derselben Schule! Wir haben dann zusammen Pizza gegessen und Handynummern ausgetauscht. Am nächsten Tag (Sonntag) sind wir natürlich wieder zur Schule gegangen.  Dafür haben wir aber vom 1. -7. Oktober Ferien, wegen des chinesischen National Tages.

 In den Ferien bin ich bisher jeden Tag mit Freunden ausgegangen, weil meine Familie keine Zeit hat. Meine Gasteltern müssen arbeiten und meine Schwester muss lernen. An einem Tag sind wir mit Sindri, dem Jungen aus Island und einer Chinesin namens Meadow ausgegangen. An einem anderen Tag sind wir mit unserer Kontaktperson, einem Schüler aus unserer Schule, der ein Auslandsjahr in  Italien verbracht hat, Essen gegangen und dann mit zu ihm nachhause, wo wir Mario Card gespielt haben. Natürlich wurden überall ständig Fotos von uns gemacht, aber einmal hat uns eine Gruppe von Mädchen gefragt, ob sie ein Video von uns machen können, in dem wir einem Freund von ihnen alles Gute zum Geburtstag wünschen.

Heute bin ich mit Hildur ausgegangen. Wir haben Winterkleidung gekauft und ein bisschen die Straßen erkundet. In einem kleinen Laden haben wir Sushi gekauft, aber es gab keine Stäbchen mehr. Deshalb hat die Verkäuferin uns Plastikhandschuhe gegeben. Wir saßen dann also am Flussufer und haben Sushi mit Handschuhen gegessen.

Mittlerweile habe ich mich an fast alles in Harbin gewöhnt, was mir am Anfang merkwürdig vorkam. Ich habe mich daran gewöhnt, dass die Leute Röcheln und auf die Straße spucken und dabei klingen, als würden sie gleich sterben, ich habe mich daran gewöhnt, dass die Verkehrsregeln eher Richtlinien sind und die Sitzgurte nur Zierde, ich bin es gewohnt mitten auf der Straße Esel zu sehen, die riesige schwere Lasten ziehen, Gemüse das vor manchen Häusern auf dem Boden liegt und Pärchen die das selbe, merkwürdige Outfit tragen. Außerdem habe ich mich daran gewöhnt, dass ich überall angestarrt  werde und heimlich Fotos von mir gemacht werden und ich bin es gewohnt unverständliche englische Übersetzungen zu sehen, wie die Aufschrift „Organism“ auf dem Mülleimer. 

Die Zeit vergeht wie im Fluge und manchmal habe ich Albträume, in denen ich wieder in Deutschland bin und mich kaum an mein Auslandsjahr erinnern kann, weil es so schnell vorbei war. Dann wache ich auf und bin erleichtert, weil ich noch über acht Monate übrig habe.