Meine ersten Schulwochen

Dienstag, 10.09.2013

  Letzten Montag war mein erster Schultag an der Shengshiyan Middle School und ich habe wirklich sehr merkwürdige, lustige und interessante Dinge erlebt. Montag haben wir eine kurze Einführung in die Schulregeln bekommen und sind dann ins Krankenhaus gefahren für unseren Gesundheitscheck. Dort wurde wirklich fast alles untersucht: es wurde ein Seetest gemacht, ein Ultraschall, uns wurde Blu abgenommen, wir mussten Urin abgeben und wir wurden gemessen und gewogen. Ach ja - "wir" sind übrigens Gaia, eine Italienerin, Hildur, ein Isländerin und ich. Wir sind die einzigen Austauschschüler an der Schule und wir verstehen uns suuuuper! Nach dem Krankenhausbesuch sollten wir eine Tischtenniskelle kaufen, weil wir dreimal die Woche zwei Stunden Tischtennis haben. Außerdem haben wir jeden Tag eine Stunde Chinesisch Unterricht und zweimal die Woche zwei Stunden Kalligraphie. Den Rest den Tages verbringen wir in je einer chinesischen Klasse. Als ich am Montag in die Klasse kam und vorgestellt wurde, war ihc sehr aufgeregt. Ich kannte ja niemanden und dann sollte ich mich auch noch selbst vorstellen. Ich habe versucht das auf chinesich zu machen, aber mir ist klitzekleiner Fehler unterlaufen und alle haben gelacht :/  

Das war aber nicht weiter schlimm. Ich sitze ganz vorne, noch vor der ersten Reihe, neben einem sehr netten Mädchen. Überhaupt sind alle super nett zu mir und hilfsbereit. In den Pausen winken mir einige, manche grüßen mich, machen ein Foto mit mir, sagen, dass ich hübsch bin, wollen meine qq- oder Handynummer oder wollen mir einfach nur die Hand schütteln. Viele fragen mich auch, ob wir Freunde sein können. Wenn ich ja sage, freuen sie sich ganz doll, auch wenn sie zu schüchtern sind, um sich richtig mit mir zu unterhalten.

Um 6:10 werden meine Schwester und ich morgens vom Bus abgeholt. Um 7:35 Uhr fängt die erste Stunde an, aber man muss spätestens 7:00 Uhr im Klassenraum sein. Um 18:00 Uhr ist Schulschluss, aber ab 16:30 Uhr sollen alle nur leise selber lernen. Überhaupt gibt es sehr viele Stunden, in denen die Schüler selber lernen und Hausaufgaben machen sollen. Das schaffen sie aber nie in der Schule, Zuhause müssen sie weiter lernen, und danach gehen sie sofort schlafen. Trotzdem sind viele in der Schule sehr müde - meine Schwester schläft sogar morgens im Schulbus.

Unser Tischtennislehrer nimmt seinen Unterricht sehr ernst. BIsher haben wir noch nicht gespielt, denn dafür sind wir nich nicht bereit. Zuerst müssen wir 5 Runden langsam um den Platz joggen, dann dehen, dann 5 mal sprinten. Und wehe, man gibt sich keine Mühe. Anschließend müssen wir den Ball 100 mal mit der Kelle schlagen, ohne das er herunterfällt und dann kurz Pause machen. Dann wieder 100 mal schlagen und dann Pause. Das Ganze 10 mal. im Anschluss die selbe Übung, nur dass man nach jedem Schlag die Kelle drehen muss. Als letztes müssen wir dann die Schlagbewegung üben - aber ohne Ball. Neulich hat Hildur das falsch gemacht, und dann hat er ihr auf die HAnd gehauen. Trotzdem ist er unser Lieblingslehrer. Er kann kein Englisch und redet deshalb nur mit mir, weil die anderen kein chinesisch können, er lacht sehr viel und gibt uns Tee.

Der chinesisch Unterricht ist ziemlich langweilig, weil wir bei null anfangen müssen. Die Lehrerin gibt mir aber extra Hausaufgaben, damit ich mich in den Stunden danach nicht langweile. Wir haben von 12:00 - 13:00 Uhr Mittagspause, in der wir mit den Lehrern in der Cafeteria essen können. Nach jeder Stunde gibt es 10 Minuten Pause. In manchen Pausen müssen die Schüler Übungen für die Augen machen oder auf dem Sportplatz synchrone Bewegungen machen. 

Nach der Schule werden meine Schwester und ich vom Schulbus abgeholt. Zuhause gibt es dann Abendessen zusammen mit der Familie, wenn diese denn da ist. Meine Gateltern kommen manchmal sehr spät nachhause, weil sie so lange arbeiten müssen. Nach dem Essen macht meine Schwester Hausaufgaben oder hat Nachhilfe und ich rede mit meiner Gastmutter. Ich verstehe schon vieles, aber oft brauche ich die Hilfe von meinem Smartphone oder meiner Schwester. Außerdem chatte ich abends mit Schulkameraden, von denen manche mir echt merkwürdige Nachrichten schicken. Manchmal bekomme ich ein Foto von mir selbst zugeschickt, einige fragen mich, ob wir uns treffen können, ein paar fragen, ob ich Justin Bieber mag und manche sagen mir zum Abschied, dass sie mich vermissen werden.

Am Samstag treffe ich mich immer mit Gaia und Hildur, da meine Gasteltern arbeiten und meine Schwester Hausaufgaben hat. Wir treffen uns in der Zentralen Straße und gehen shoppen und essen westliches Essen. Ich fahre miestens mit dem Taxi dahin, weil das hier sooo billig ist. für 20 Minuten bezahle ich ca. 2 Euro. 

Drei Ausländer sind dort DIE Attraktion! Wir werden ständig fotografiert und neulich hat ein Mann sogar versucht mich zu küssen. o.O

Am Sonntag war ich auf der Hochzeit von meiner Gastcousine. Als meine Schwester und ich an dem Morgen vom Tennis in die Wohnung kamen, war diese voll mit Leuten, von denen nichtmal meine Schwester alle kannte. Die Hochzeit fand in einem Hotel statt. So gut wie alle Gäste trugen Jeans, weil s in China nicht so üblich ist, sich für eine Hochzeit schick zu machen. Im Hotel bin ich dann mit meiner Schwester und einigen Cousinen ins Zimmer der Braut gegangen. Dort wurden Massen an Fotos von der Braut gemacht und auf einigen bin ich auch drauf. Dann kam der Bräutigam für ein Ritual ins Zimmer. Drei Cousinen und ich saßen auf dem Bett, um die Braut herum und sollten ihm Fragen stellen, wie z.B. Liebst du sie? Wer wird nach der Hochzeit kochen? Dann bekamen wir alle einen roten Umschlag mit Geld. 

Anschließend sind wir zum Raum gegangen, in dem die Trauung stattfand. Der Bräutigam hat mich gefragt, ob ich ihnen während der Trauung die Ringe bringen konnte. Ich war sooo aufgeregt. Die ganze Zeit lang wurde eine Fotoshow vom Brautpaar abgespielt und im Laufe des Abends trug die Braut drei verschiedene Kleider. Ich habe zwar nichts verstanden, während der Trauung aber ich konnte einige Rituale mit ansehen. Das Paar hat eine riesige Flasche Sekt über eine Pyramide aus Gläsern gegossen, eine Wunderkerze angezündet, sich umarmt und schließlich geküsst. Nach dem Abendessen sind wir abrupt gegangen. Wir sind zu einem mega teuren Shoppingcenter gefahren, in dem meine Gastmutter sich ein KLeid gekauft hat. DAnn sind wir noch kurz zur Wohnung meiner Gasttante gefahren und haben Tee getrunken.

Am Dienstag war Lehrer Tag und die Schüler haben Texte für die Lehrer geschrieben und ihnen Geschenke gemacht, wie Blumen, Kissens und Teddys. Auch ich sollte einen Text schreiben. Das besste war aber,wir um 11:30 Uhr Schluss hatten. Also bin ich mit Gaia, Hildur, ihrer Schwester und einer Freundin der Schwester essen gegangen und anschließend Karaoke singen. Das ist sehr beliebt in China. Man hat seinen eigenen Raum und es macht mega viel Spaß.

Am Freitag war ein Sportfest meiner Schule in einem Stadion in der Universität. Ich sollte die Fahne schwenken, während meine Klasse in einer perfekten Formation marschiert ist. DAs ganze Sportfest hat mich an das Militär erinnert, genauso wie der Sportunterricht in meiner Schule.

NAch dem Sportfest bin ich wieder mit Hildur, Gaia, ihrer Schwester, meiner Schwester (!) und einem Kumpel meiner Schwester essen gegangen. Es gab sehr scharfes, aber leckeres chinesisches Barbecue. Anschließend sind wir wieder in eine Karaoke Bar gegangen. 

Gestern war meine erste Kung Fu Stunde (NAtürlich mit Gaia und Hildur) und es war wie im fernsehen. Wir sollten uns dehnen und Spagat machen, dabei ist dei Lehrerin herumgegangen und hat uns weiter runtergedrückt. Einige kleine Jungs fingen an zu weinen. Wir haben nämlich Unterricht zusammen mit kleinen, chinesischen Jungs, die alle besser sind als wir. Uns hat das Training sehr gut gefallen und wir freuen uns schon auf die nächste Stunde. Wir haben jetzt immer Dienstags, Donnerstags und Sonntags 1,5 Stunden Kung Fu. 

Das Leben in China gefällt mir sehr gut und die Beziehung zu meiner Gastschwester ist auch schon viel besser. In China überrascht mich aber gar nichts. Von Weihnachtsdeko im Sommer, Eseln auf dem Bürgersteig, mitten auf der Straße parkende Autos, Geisterfahrer, zwischen den Bahnen fahrende Autos bis hin zu Hühnerfüßen im Supermarkt und alten Leuten, die am Morgen zusammen Taiji auf öffentlichen Plätzen machen, gibt es in China alles.