Die Hälfte des Auslandsjahres ist schon vorbei

Freitag, 21.02.2014

Yunnan/ Weihnachten

Im Dezember war ich mit AFS in Yunnan und es war sehr schön. Aus irgendeinem Grund hat es zu dieser Zeit aber geschneit und da es nirgends Heizungen gibt, war es unerträglich kalt. Und dabei hatte ich mich auf angenehme 17° C gefreut. Da habe ich erst gemerkt, wie gut ich es doch im Norden habe ;D Die Landschaft, die vielen alten Straßen und die Dörfer von Minderheiten waren aber auf jeden Fall sehenswert. Es war natürlich auch schön die anderen Austauschschüler zu treffen und mal wieder Deutsch sprechen zu können.

Kurz nach meiner Rückkehr war dann auch schon Weihnachten. Am 24. mussten wir vormittags zur Schule gehen und nachmittags fand eine AFS Weihnachtsfeier statt.  Dort wurden Tänze aufgeführt, Lieder gesungen und natürlich wieder ganz viele Fotos gemacht. Weihnachtsstimmung kam bei mir leider trotzdem nicht auf, dafür fehlte mir einfach meine Familie. Am 25. Habe ich mir dann den Knöchel verstaucht und konnte ca. 2 Wochen lang nicht richtig laufen :/  Silvester feiert man in China auch nicht so richtig. Es gibt zwar ein Fernsehprogramm mit einer Neujahrsshow, aber leider gab es keinerlei Feuerwerk. Das chinesische Neujahrsfest ist eben etwas später. Am Vormittag der 31.12. fand in meiner Schule eine Kunstshow statt, bei der jede Klasse etwas aufführen sollte. Manche haben gesungen, manche getanzt und wieder andere haben ein Musikinstrument gespielt. Es war sehr unterhaltsam und erstaunlich, dass chinesische Schüler in nur kurzer Vorbereitungszeit derart perfekte Auftritte hinlegen können.

 In den letzten Schultagen vor den Ferien bin ich oft mit der ganzen Familie essen gegangen und habe meinen Gastcousin kennengelernt, der zurzeit in Amerika studiert. Er kam für ein paar Wochen zu Besuch zurück nach China und wollte mich sehr gerne kennenlernen. Ich habe mit ihm viel über Deutschland und Amerika geredet und bin dabei wieder auf die typische Vorstellung der Chinesen von Deutschland getroffen: „Ah Deutschland! Bier, Volkswagen, BMW, Hitler!“. 

 

2 Monate Ferien

Anfang Januar fingen die Winterferien an, die bis Anfang März gehen. Zu Beginn der Ferien habe ich mich häufig mit meinen chinesischen Schulkameraden oder dem italienischen Austauschschüler Phung getroffen. Gemeinsam haben wir interessante Orte entdeckt, wie Cafés und Shopping Center, und haben Oktopus gegessen oder sind in ein koreanisches Restaurant gegangen. In einem Shopping Center wurden Schmuckstücke verkauft, in denen ein Reiskorn steckt, welches man gravieren lassen kann. Als wir uns diese gerade betrachtet haben, kamen zwei Jungs auf Rollschuhen angefahren und haben Fotos von uns gemacht und uns ganz viele Fragen gestellt. Als wir fertig waren, wollten sie uns nicht einmal gehen lassen und sind uns hinterher gefahren. An einem Tag bin ich mit einigen anderen Austauschschülern zusammen zum Eisfestival gegangen. Es war wunderschön!

Peking

Am 17.01. bin ich zusammen mit einigen anderen Austauschschülern nach Beijing(Peking) gefahren. Wir haben uns viele schöne Sehenswürdigkeiten angesehen, wie den Platz des Himmlischen Friedens, den Himmelstempel, die Oper, alte Straßen und vieles mehr. Einmal waren wir alle zusammen im Food Market und haben sehr außergewöhnliche Dinge gegessen: frittiertes Eis, Schwalbennest mit Kürbis, Haiflosse, Schlange, dampfende Getränke und vieles mehr. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und die anderen Austauschschüler waren auch alle super nett. Es ist auch eine 16 jährige Chinesin mitgefahren, die sich ein wenig in Beijing auskennt und fast fließend Deutsch spricht. Sie heißt Hanyi Du und ich habe mich bestens mit ihr verstanden und wir sind gute Freunde geworden. 

Neujahrsfest  

Nach 10 Tagen bin ich wieder zurück nach Harbin gefahren und dann kam auch schon das chinesische Neujahrsfest. Am 30. Januar war, nach dem chinesischen Mondkalender, der 31.12. Also habe ich mit meiner Gastfamilie zuerst die Familie meiner Gastmutter und dann die Familie meines Gastvaters besucht. Die Erwachsenen haben an uns Kinder sogenannte „Hongbao“ verteilt, das sind rote Umschläge mit Geld darin. Wir haben ständig gegessen und abends zusammen ferngesehen. Fast das ganze Land sieht zu Neujahr dasselbe Fernsehprogramm. Nach ein paar Stunden fand ich das aber sehr langweilig. Es gab viele verschiedene Aufführungen, einige haben gesungen oder getanzt, und andere haben Sketche oder eine Zaubershow aufgeführt. Um Mitternacht war das Feuerwerk am lautesten und wir haben alle zusammen traditionellerweise Teigtaschen gegessen. In einige haben wir Münzen hineingesteckt, was demjenigen, der sie bekommt Glück bringen soll.

Von diesem Tag an, gibt es 15 Tage lang Feuerwerk. Am 15.01. nach dem Mondkalender findet das Laternenfest statt und das Neujahrsfest ist vorbei.

Jiamusi

Meine Gastfamilie ist kurz nach Beginn des neuen Jahres nach Indien gefahren, weshalb ich in dieser Zeit in Jiamusi bei meiner Freundin Hanyi gewohnt habe. Ihre Familie hat sich sehr lieb um mich gekümmert und sich viel Mühe gegeben. Ich hatte eine unvergesslich schöne Zeit in Jiamsui und möchte mich deshalb hier nochmal bei Hanyi und ihrer Familie bedanken. Xiexie nimen!!!!       

Ich habe mich auch häufig mit den Austauschschülern aus Jiamusi getroffen, die alle sehr offen und freundlich sind. Außerdem hat Hanyis Oma viele interessante und leckere Speisen gekocht und Hanyi hat mir auch von einigen leckeren Dingen erzählt, die ich mal ausprobieren soll. So kam es, dass ich in Jiamusi Süßkartoffeleis/ -tee, Peking Ente, gefrorene und kandierte Früchte, Suppe aus vielen verschiedenen Reis- und Maissorten, Walnussmilch aus Tüten und gefüllte Reisbällchen probiert habe. Diese Reisbällchen isst man traditionellerweise zum Laternenfest und sie können mit vielen verschiedenen Füllungen gefüllt sein. Ich habe sie mit Erdnuss-, Sesam- und Schokoladenfüllung probiert.

Einmal bin ich mit Hanyi und ihrer Familie zu Bekannten von ihnen gefahren, weil der Sohn gerade zu Besuch war. Er ist ein sehr erfolgreicher Musiker und hat einige Jahre in Deutschland studiert, wo er einige Zeit lang auch bei der Berliner Philharmoniker gearbeitet hat. Wir haben ihm beim Spielen zugesehen und uns über Musik unterhalten.

Hanyis Familie hat häufig versucht mit mir zu reden, damit ich mein Chinesisch verbessern kann. Der Opa von Hanyi hat mir zum Beispiel erzählt, dass ein Mann, der einmal in Deutschland war, ihm vor 40 Jahren erzählt hat, dass es in Deutschland Rohre gibt, durch die Bier fließt. So soll jede Familie zuhause mehrere Hähne haben: einen aus dem Wasser kommt, einen mit Bier und einen sogar mit Wein. Aus diesem Grund hat Hanyi in ihrem Wusch nach Deutschland zu gehen unterstützt. Er sagt immer zu ihr: „Geh nach Deutschland, Deutschland ist modern!“.  

Zusammen mit den anderen Austauschschülern und einigen chineischen Schülern bin ich an einem Tag mit einem großen Schlitten über den Fluss gefahren, wobei ich mir wie der Weihnachtsmann vorkam. Dort satnden mitten auf dem Eis mongolische Zelte in denen wir dann Barbecue gegessen haben. Uns allen war danach sunglaunblich kalt. Außerdem konnte man auf den Eis auch Schlittstuhl fahren, also auf kleinen Stühlen und mit mit zwei Stöckern übers Eis fahren.

Nach knapp zehn Tagen bin ich wieder zurück nach Harbin gefahren, da meine Gastfamilie aus Indien zurückgekehrt ist. Nach einigen Tagen war dann auch schon das Laternenfest. Die Familie meiner Gastmutter kam zu uns nachhause und wir haben gemeinsam gegessen. Nach dem Essen sind alle wieder einmal abrupt gegangen. In den Tagen danach bin ich manchmal alleine ausgegangen. Ich bin dann in Shoppingcenter gegangen und habe viel mit den Verkäufern und anderen geredet. Die meisten sind so offen und sprechen mich direkt an: „Bist du aus Russland? Auf welche Uni gehst du?“. Wenn ich ihnen dann erzähle, dass ich aus Deutschland komme und zur High School gehe, sind sie immer sehr überrascht und beeindruckt. Eine alte Dame hat einmal ununterbrochen meine Hände gehalten, weil sie so kalt waren.  Ich mag es sehr, mich einfach mit Passanten auf Chinesisch zu unterhalten. Ich erlebe dann immer nur Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit.

Vor kurzen habe ich mich mit einer Klassenkameradin und zwei Freundinnen von ihr getroffen. Wir sind zusammen essen gegangen und haben uns viel unterhalten. Sie waren alle super nett zu mir, wir haben Fotos gemacht, über Musik und Stars geredet und sie haben mir ein paar neue Wörter auf Chinesisch beigebracht. Als ich abends dann bei QQ war, habe ich entdeckt, dass sie die Bilder von mir gepostet haben mit dem Kommentar: „Ich bin heute mit der Deutschen ausgegangen, sie ist sooo hübsch!!!“

Jetzt habe ich noch eine Woche Ferien und dann bleiben mir nur noch 4 Monate im Reich des  Reises. Ich kann gar nicht glauben wie schnell, die Zeit doch vergeht. Ende März kommen mich meine Eltern besuchen und ich kann es gar nicht mehr abwarten!!!!! :D   Abnedessen bei Hanyi mit zwei anderen Austauschschülern   Schlittstühle Eisfestival in Harbin