Das Ende ist nah… + Eltern in China

Mittwoch, 23.04.2014

 

Seit die Schule wieder losgeht verbringe ich viel mehr Zeit in der chinesischen Klasse und lerne fleißig Chinesisch. Ich habe jetzt einen neuen Tischnachbarn, da meine alte Tischnachbarin die Klasse gewechselt hat. Darüber bin ich ziemlich traurig, weil wir im vergangen Semester gute Freunde geworden sind. Mein neuer Tischnachbar ist ein schüchterner Junge, der ganz überrascht war, als er herausfand, dass ich Chinesisch sprechen und verstehen kann. Doch seit der das weiß, reden wir ab und zu miteinander und ich helfe ihm. Bei seinen Englisch Aufgaben. Am Wochenende nach der ersten Schulwoche habe ich endlich die Gastfamilie wechseln können, weil ich mich in der anderen Gastfamilie nicht wohl gefühlt habe. Sie haben auch kaum etwas mit mir unternommen und waren immer sehr beschäftigt. Ich bin jetzt in der Familie, zu der ich ursprünglich sollte. Ich habe dort zwar keine Gastgeschwister, weil mein Gastbruder zurzeit in Deutschland ist, aber wir haben regelmäßig via Smartphone Kontakt. Meine neue Gastmutter ist Englischlehrerin und mein Gastvater Ingenieur in einem Pharmazeutischen Institut. Die Wohnung befindet sich auch auf dem Institutsgelände. Das Institut ist im westlichen Stil erbaut, die Fassaden sind mit Stuck und Statuen verziert, was dem ganzem einen sehr edlen Anblick verleiht.

Gleich am ersten Tag in der neuen Gastfamilie ist ein Gastvater mit mir zur Sonneninsel gefahren. Dort haben wir viele Fotos gemacht (typisch Chinesisch). Mein Gastvater interessiert sich nämlich sehr für Fotografie und wollte, dass ich meine gute Kamera auch häufig benutze.

Schon nach kurzer Zeit habe ich den Eindruck, dass meine neue Gastfamilie sehr freundlich und herzlich ist. Sie kümmern sich sehr liebevoll um mich und geben sich sehr viel Mühe. Meine Gastmutter gibt jeden Abend bei uns Zuhause Englischunterricht und trotzdem übt sie danach noch mit mir Chinesisch oder unterhält sich mit mir. Mein Gastvater trinkt mit mir auf traditionelle Weise Tee, bringt mir Kalligraphie bei oder besucht mit mir die Nachbarn. Sobald meine Gasteltern Zeit haben, verbringen sie diese mit mir. Einmal hat mein Gastvater mich zu verschieden Kirchen gefahren, damit wir dort Fotos machen können. Einen Abend, als meine Gastmutter keinen Unterricht gegeben hat, sind wir zu dritt Teigtaschen essen gegangen, danach am Fluss entlang spazieren und natürlich Fotos machen. Ab und zu wohnt bei uns die Mutter meiner Gastmutter. Sie ist sehr freundlich, herzlich und kocht sehr gut.

In der Schule habe ich schon einige neue Freundin gefunden, z.B. die Gastschwester von Gaia. An den Wochenenden gehen wir oft zusammen und sie zeigt mir leckere chinesische Speisen und wir reden Chinesisch miteinander.

Außerdem stellt mir meine Gastmutter viele neue Freunde vor, die sie dann anruft, damit sie mit mir ausgehen, Z.B die Tochter, ihrer besten Freundin. Wir sind zusammen Sushi essen gegangen, spazieren und shoppen, sie ist echt lieb. Also eins steht fest: alleine Zuhause rumsitzen muss ich in dieser Familie ganz bestimmt nicht.

In der Schule lerne ich wie gesagt viel, vor allem wegen der bevorstehenden HSK Prüfung. Seit meine Mitschüler wissen, dass ich Chinesisch kann, reden sie mehr mit mir und wir spielen zusammen Badminton. Besondern interessant finde ich den Psychologie Unterricht. Jede Stunde hat ein Thema, wie z.B „Freundschaft zwischen Jungs und Mädchen“, „Druck-wie gehst du damit um?“ oder „Liebe kann warten“. Wir spielen dann lustige Spiele oder gucken uns kurze Videos an.

Am 29.03. war es dann endlich soweit. Meine Eltern sind nach etlichen Stunden Flug in Harbin gelandet. Es war so toll, sie endlich wieder in die Arme nehmen zu können.

An dieser Stelle möchte ich euch kurze Einblicke in das Tagebuch meines Vaters geben.

29.03.2014

Anreise über München nach Peking, von Peking nach Harbin. Dani hat uns zusammen mit ihrem Gastvater vom Flughafen abgeholt. Wir waren nach etlichen Stunden Reisezeit ganz schön fertig. Doch Dani nach so langer Zeit wiederzusehen war es auf jeden Fall wert. Wir haben im Hotel das erste echte chinesische Essen bekommen. Das hat wenig mit dem zu tun, was wir aus den China Restaurants in Deutschland kennen.

30.03.2014

Am nächsten Tag haben wir uns mit Dani am Fluss getroffen, wir haben da ganz alleine hingefunden! Dann haben wir die „Central Street“, die Fußgängerzone, erkundet. Dabei kam aus den Lautsprechern Musik, die alles andere, aber nicht chinesisch war, wir hörten „Rosamunde“, „La Paloma“ und diverse klassische Stücke aus Europa. Zu essen gab es dann „Jiaozi“, wir würden Maultaschen sagen. Wir sind fasziniert wie Dani chinesisch spricht und wie selbstbewusst sie geworden ist. Abends sind die schönen alten Häuser toll beleuchtet und es hängen bunte Lampions über der Fußgängerzone. Die Gebäude haben eher einen russischen Stil, ohne die Schriftzeichen und die Chinesen könnte man fast meinen, man ist in Europa.

31.03.2014

Treffen mit den Gasteltern. Nach dem Kampf mit der Zeitumstellung, der Morgen kam uns vor wie der Abend, haben uns Dani und ihre Gasteltern zum Essen abgeholt. Es gab „Spring Cake“. Das ist so ähnlich, wie ein Wrap, nur muss man sie selbst füllen und rollen, und damit das Ganze auch einen Spaßfaktor hat, natürlich mit Stäbchen. Das Essen selbst geht sehr schnell, sobald man fertig ist wird gezahlt und gegangen. Dann ging es bei schönstem Wetter wieder die „Central Street“ auf und ab, und was wurde gemacht? Natürlich Fotos! Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt, dass auch andere von uns Fotos machen ohne zu fragen. Jetzt wissen wir, wie sich die Tiere im Zoo fühlen.

Danach sind wir zu den Gasteltern nachhause gefahren. Das große Gebäude in dem sie wohnen, hier ist alles groß, könnte auch in einer europäischen Stadt stehen. Zuerst gab es Tee, vom Vater klassisch hergestellt. Das Wasser und der Tee sind durch mehrere Kännchen und Siebe immer hin und her gegossen worden, bis es dann in die kleinen Trinkgläser gefüllt wurde. Und dann hieß es schlürfen und nicht pusten. Diese Prozedur wurde dann einige Male wiederholt. Im Anschluss wurden Gastgeschenke ausgetauscht. Dann kam eine längere Diskussion über unsere Reise mit Dani nach Beijing, nach der für den Tag alles klar war, doch am nächsten Tag sah das dann schon ganz anders aus. Zum Abendessen gab es Feuertopf. Das Essen war wieder sehr gut uns interessant. Diesmal war es nicht nur eine Herausforderung mit Stäbchen zu essen, wir haben nämlich zum ersten Mal einen ganzen Krebs auf dem Teller gehabt. Die Krebse waren laut Gastvater ganz frisch: „Gestern haben sie noch gelebt“.         

01.04.2014

Morgens haben wir einen Spaziergang am Fluss unternommen und haben dort Leute singen, tanzen und Taiji machen gesehen. Zum Mittag gab „Baozi“, das sind sowas wie gefüllte Brötchen, dazu gab es Reissuppe. Im Anschluss wurde geshoppt, was das Zeug hält. Abends ging es dann wieder an die Reiseplanung.

02.04.2014

Mittags sind wir mit Dani und ihren Gasteltern Peking Ente essen gegangen. Das ist völlig anders, als die Pekingente, die man in Deutschland kennt. Man rollt ein paar Stückchen Ente, Gemüse und eine spezielle braune Soße in einen dünnen Eierkuchen ein, so ähnlich wie die „Spring Cakes“. Kerstin und mir wurden dann als Ehre die Entenköpfe überlassen, die haben gar nicht mal so schlecht geschmeckt. Später erlebten wir dann das „Abenteuer Bahntickets kaufen mit einer coolen Tochter“. Am Bahnhof war es so laut und überfüllt und kein Mensch konnte Englisch sprechen. Ohne Dani wären wir völlig aufgeschmissen gewesen.

03.04.2014

Bahnfahrt nach Peking. Dort sind wir dann nachmittags über die Wangfujiang Dajie (Fußgängerzone) gelaufen und abends wieder Pekingente essen. Im Anschluss sind wir über den Foodmarket gegangen, haben aber nichts gegessen (Auf Seesternen, Spinnen und lebende Heuschrecken hatten wir doch keinen Appetit)

04.04.2014

Wir haben die Chinesische Mauer und Ming Gräber besucht. Im Anschluss sind wir über den Tian’Anmen zu den alten Straßen.

05.04.2014

Der Lauftag! Zu Fuß und mit der U-Bahn sind wir zum Sommerpalst gefahren. Danach haben wir in einem Cafe auf der Dachterrasse, wir waren die einzigen auf der Dachterrasse, obwohl es über 25°C war, etwas getrunken. Anschließend sind wir durch die Hutongs am Fluss spaziert und danach zurück zum Hotel gelaufen.

 

06.04.2014

Zuerst waren wir in der verbotenen Stadt, dann im Jingshan Park, und dann im Bei Hai Park. Dort haben wir eine kleine Bootsfahrt unternommen und sind dann weiter zur weißen Pagode. Abends sind wir über den Nachtmarkt geschlendert und haben auch ein paar harmlose Dinge gegessen, wie zum Beispiel frittiertes Eis.

07.04.2014

Heute waren wir im Yonghe Gong, dem Lamakloster (Beijings größter Buddha Tempel). Als Snack zwischendurch gab es grüner Tee Eis. Später sind wir nochmal über den Tian’Anmen gelaufen, der wirklich „mächtig gewaltig“ ist.

08.04.2014

Nun ging es schon wieder zurück nach Harbin. Der Bahnhof Harbin West ist so riesig, dass wir uns gleich verlaufen haben (den kann man mit einem Flughafen bei uns vergleichen).

09.-13.04.2014

Unsere letzten Tage in China. Wir haben uns ausgeruht, waren in der „Polarworld, wieder mit den Gasteltern essen und viel shoppen und spazieren. Am 11.04 haben wir uns mit den anderen AFS Austauschschülern und mit Danis Freundin Hanyi getroffen. Sie sind alle sehr nett. Am 13.04. sind wir mit Hanyi zurück nach Peking gefahren. Diesmal fiel uns der Abschied von Dani etwas leichter, weil wir ja wissen, dass sie bald schon zurück nach Deutschland kommt.

14.04.2014

Heimflug.

Zuhause ruhen wir uns erst mal aus, genießen die Stille, die es in China nicht gibt und lassen die Eindrücke auf uns wirken.

 

Was noch zu erwähnen ist:

Verkehr:

Gas geben statt bremsen, große Autos alle ohne Beulen, wie geht das?! Hupen ist das wichtigste. Verkehrsregeln, sofern vorhanden, sind eher Richtlinien. Abbieger haben, beziehungsweise nehmen sich die Vorfahrt, also auch nach links schauen.

Fotos von der Fischerfamilie:

Tochter blond und weiß, Vater groß

 

Subway:

Sauber geordnet, aber voll. Da soll sich nochmal einer über den Berufsverkehr in Deutschland beschweren. Busfahrt kostet 1 Yuan/ 12 Cent, U-Bahn 2 Yuan

Essen:

Rein, Hände waschen, essen, fertig -> raus

Preise:

Geschäfte haben wie bei uns Festpreise. Bei kleineren Geschäften handelt Dani bis zur Schmerzgrenze.

 

 

 

Es war schön, nach so langer Zeit meine Eltern endlich wiederzusehen. Am Wochenende darauf bin ich mit einer Schülerin meiner Gastmutter in eine Karaokebar gegangen und am nächsten Tag in den Freizeitpark.

In den letzten Wochen haben sich außerdem ein paar Phänomene geklärt:

Phänomen: Überall verbrennen Leute Papier auf den Straßen.

Erklärung: Dieses Phänomen hat etwas mit dem Feiertag zu tun, der am 05.04. war. Ein Feiertag zur Erinnerung an die Toten. Wenn Chinesen kürzlich einen Verlust in der Familie erlebt haben, dann verbrennen sie, zum Ausdruck ihrer Trauer, Papier.

Phänomen: Häufig sieht und hört man Fahrradfahrer, sie vorne am Fahrrad eine Art Trommel angebracht haben. Darauf trommel sie dann die ganze Zeit herum, auch mitten in der Nacht, wenn man versucht zu schlafen.

Erklärung: Hierbei handelt es sich, ob es ihr es glauben wollt, oder nicht, um einen Beruf. Diese Fahrradfahrer kaufen Dinge, die andere nicht mehr benötigen. Hat man also unnötige Gegenstände, kann man sobald man das Trommeln hört, auf die Straße rennen, und sie dem Fahrradfahrer geben.

Phänomen: Viele Autos haben um die Felgen ein rotes Band gebunden.

Erklärung: Dieses Phänomen ist ganz einfach zu erklären. Sieht man so ein Bad, weiß man, dass das Auto neu ist. Das rote Band soll dem Fahrer Glück bringen.

 

Heute sind es nur noch 58 Tage, bis ich meine Heimreise antreten werde. Einerseits freue ich mich schon auf Deutschland, meine Freunde, Familie, die Tatsache, dass ich alles verstehen kann und dass ich nicht ständig angestarrt werde, andererseits werde ich China und die chinesische Mentalität auch sehr vermissen. Ich werde es vermissen, dass in China „Hast du schon gegessen?“ eine Begrüßung ist und einem in Geschäften beim hinausgehen immer: „Lauf langsam!“ gesagt wird. Außerdem werde ich meine Freunde, meine Gastfamilie und das chinesische Essen vermissen. Ich werde die Ordnung in den Schulen vermissen und das ständige: „Hiiii!“, das ich hier zu hören bekommen. Ich könnte ewig weiter Dinge aufzählen, die ich an China vermissen werde. Doch ich werde China mit einem Versprechen verlassen: „China, ich komme wieder!“.

Nun werde ich die letzten 58 Tage bis auf die letzte Minute genießen.