Berichte von 12/2013

Tortenschlacht,Schneemassen und Erdbeben

Samstag, 07.12.2013

Schneeschippen im SportunterrichtDie wunderschöne SchuluniformFernsehturmWeihnachtsdeko im SchulflurChinesisch lernen :D St Sofia Kirche im Winter

TortenschlachtSamstags im Stadtzentrum Im Stadtzentrum

Mehr als 100 Tage bin ich jetzt schon im Reich der Mitte und somit habe ich ein Drittel meines Auslandsjahres bereits verbracht. Normalerweise ist mein Leben hier mittlerweile alltäglich, aber manchmal gibt es Tage an denen etwas Unerwartetes, Merkwürdiges und Lustiges passiert. Zum Beispiel bringen manche Schüler an ihrem Geburtstag eine  riesige Sahnetorte mit zur Schule. Doch wenn die Torte angeschnitten wird, kommt es gelegentlich zu einer Tortenschlacht. Am Ende haben fast alle, sogar der Lehrer, Sahne im Gesicht. An einem anderen Tag gab es ein leichtes Erdbeben in Harbin, von dem ich aber nicht sehr viel mitbekommen habe. Anfang November gab es in meiner Schule einen Informationstag über AFS und wir drei mussten über den Schullautsprecher Chinesisch sprechen. Ich war so unglaublich aufgeregt! Danach wurde ich jedenfalls von zwei Frauen von einem chinesischen Fernsehsender angesprochen, ob ich an einem Spiel über Schriftzeichen in Beijing teilnehmen möchte. Später haben sie dann meine Gastfamilie angerufen und diese hat dann ein Video von mir gemacht, in dem ich mich selbst vorstellen sollte. Es steht aber noch nicht fest, ob ich wirklich daran teilnehmen werde. Ich glaube auch, dass mein Chinesisch noch nicht sooo gut ist, dass ich an einem Spiel, das natürlich komplett in Chinesisch ist, teilnehmen kann.

Als unsere Klassenkameraden wichtige Prüfungen hatten, hatten wir drei von Mittwoch bis Freitag frei. Wir sind jeden Tag ausgegangen und hatten viel Spaß. Doch dann, als wir in einem Restaurant voll mit Überwachungskameras waren, hat ein Mann doch tatsächlich meine Handtasche gestohlen. So etwas passiert in China normalerweise nie! Ich war am Boden zerstört, zumal in der Tasche meine Bankkarten waren. Aber man muss es positiv sehen, so konnte ich wenigstens erfahren, wie chinesische Polizeistationen so sind. Der Verhörraum sah echt gruselig aus!

Um den 20. November herum hat es hier so heftig geschneit, wie seit Jahren nicht mehr. Flüge sind ausgefallen, Schule ist ausgefallen :D und der Verkehr war die reinste Katastrophe. Als wir dann wieder zur Schule gehen mussten, haben die Schüler in den Pausen und in den Sportstunden Schnee geschippt und die Autos der Lehrer vom Schnee befreit. Ich werde mich nie wieder über den Sportunterricht in Deutschland beschweren! Aber den Schülern hier macht das auch noch Spaß!

Vor ein paar Wochen war in Beijing das Auswahlwochenende für die Schüler, die ein Auslandsjahr machen möchten. Meine Schwester und Hildurs Schwester haben beide daran teilgenommen. Meine Schwester möchte gerne nach Spanien gehen und Hildurs Schwester nach Amerika.

Mittlerweile sind hier -19° und alle sagen mir, es wird noch kälter! Um ehrlich zu sein empfinde ich es gar nicht als so kalt. Ich spüre nicht wirklich einen Unterschied zwischen -5° und -20°, wenn es windstill ist. Und nicht einmal Schnee und Eis können die Schüler davon abhalten Basketball zu spielen – bei ca. -15° und ohne Winterjacke wohl bemerkt!

 

Die 10 merkwürdigsten/ ungewöhnlichsten/ gewöhnungsbedürftigsten Sachen in China:

  1. 1.  Die enorm enge und körperbezogene Beziehung zwischen Jungs

Jeden Tag in der Schule ist zu beobachten, wie ein Junge den Oberschenkel eines anderen streichelt, ein Junge auf dem Schoß eines anderen sitzt und ihn dabei umarmt, zwei Jungs sich eng umschlungen auf dem Boden wälzen oder Händchen haltend zur Schule laufen. Dieses Verhalten ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass in Schulen Liebesbeziehungen zwischen Jungs und Mädchen verboten sind und Pärchen von der Schule verwiesen werden.

 

  1. 2.      Toiletten ohne Türen

Die meisten öffentlichen Toiletten bestehen nur aus einem Loch im Boden, weil das hygienischer ist. Aber in den Schulen gibt es nicht einmal Türen, weshalb es anfangs etwas ungewohnt sein kann, wenn fremde Schüler einem beim urinieren beobachten.

 

  1. 3.     Überall Gemüse

Eine Zeit lang lag vor jeder Haustür, auf jedem Balkon hing vor jedem Fenster grünes Gemüse, und zwar haufenweise. Sogar in der Schule auf dem Sportplatz lag massenweise Gemüse. Nach zwei, drei Wochen war alles weg. Der Grund dafür ist mir bis heute ein Rätsel.

 

 

  1. 4.     Weihnachtsdekoration das ganze Jahr  

Schon in meinen ersten Wochen in China konnte ich überall Weihnachtsdeko entdecken. In den Fluren in der Schule, in Cafés, einfach überall. Meine Freundin Hildur sagt sogar, dass in der Wohnung ihrer Gastoma das ganze Jahr ein Weihnachtsbaum steht. Dabei feiert man China überhaupt gar kein Weihnachten.

 

  1. 5.     Ein Ausländer! Ein Ausländer!

Wie schon das ein oder andere Mal erwähnt, sind Ausländer, und vor allem blonde Ausländer mit blauen Augen, etwas Exotisches in China. Ständig werde ich angestarrt oder es werden heimlich Fotos von mir gemacht. Manchmal ist es so, als hätten Chinesen Touret sobald sie Ausländer sehen: „Ein Ausländer! Hübsch, hübsch!“.

 

  1. 6.     Unhöflichkeit

Manche Chinesen bezeichnen sich gegenseitig als fett. So sagen zum Beispiel meine Gasteltern, dass meine Gastschwester fett ist, oder selbst die schlanke Gastschwester von Hildur wurde schon fett genannt. Auch ich wurde durchaus schon als zu fett bezeichnet.   

 

  1. 7.     Der Strohhalm – die beste Erfindung aller Zeiten!

In China wird jede Art von Milch oder Joghurt grundsätzlich mit dem Strohhalm getrunken. Als ich erkältet war habe ich sogar Medizin mit kleinen Strohhalmen bekommen.

 

  1. 8.     Was ist das, was ich da gerade esse!?

Nicht selten ist es mir passiert, dass ich etwas gegessen habe, von dem ich keine Ahnung hatte worum es sich handelt. Vielleicht ist das manchmal auch besser so.

 

  1. 9.     Zucht und Ordnung!

In den Schulen herrschen strenge Regeln. Es gibt eine Schuluniformspflicht, Mädchen müssen die Haare zum Zopf zusammenbinden, Make up und Schmuck ist verboten. Auch bei -16°C wird gejoggt und die Flagge gehisst. Außerdem ist jeder Schultag extrem lang und danach müssen noch Hausaufgaben gemacht werden. Meine Klassenkameraden gehen teilweise erst um 1 Uhr morgens schlafen. Im letzten Schuljahr müssen die Schüler bis 22 Uhr in der Schule bleiben.

 

  1. 10.                        Vielleicht!

Ich hasse diese Antwort!! Am Freitagvormittag fragen wir unsere Lehrerin ob wir am nächsten Tag Schule haben. Und die Antwort lautet stets: „Ich glaube, vielleicht! Ich weiß nicht genau. Vielleicht!“. Das bedeutet so viel wie: „Das steht noch nicht fest. Das wird erst am Nachmittag entschieden“. Oder: „Wann ist denn das Musikfest in unserer Schule? Müssen wir da etwas singen?“ – „Vielleicht! Vielleicht ist es am 31.12. Vielleicht!“

 

Obwohl China doch ziemlich anders und gewöhnungsbedürftig ist, liebe ich China!!! Ok… Manchmal hasse ich die Schriftzeichen, weil sich viele sooo ähnlich sehen, aber meistens liebe ich alles was chinesisch ist. Das einzige was hier fehlt ist Weihnachten! Abgesehen von dem bisschen Dekoration merke ich hier gar nichts von Weihnachten.

Nächste Woche bin ich dann erst mal eine Woche in Yunnan und kann 15-17°C  genießen :D