Berichte von 08/2013

Die ersten Eindrücke

Samstag, 31.08.2013

Der 22. August schien mir immer noch so lange hin und dann war er auf einmal da. Um 9:00 Uhr ging es los: Meine Eltern und ich sind mit dem Auto zum Münchner Flughafen gefahren, wo wir den Rest der Gruppe und einen AFS Betreuer getroffen haben. Nach dem einchecken hieß es dann Abschied nehmen und obwohl ich versprochen habe nicht zu weinen, konnte ich die Tränen nicht unterdrücken. Doch viel Zeit blieb mir nicht, denn der Sicherheitscheck wartete schon auf mich. Mit einer Gruppe von 17 Schülern aus ganz Deutschland bin ich dann 9 Stunden nach Beijing geflogen. Ich konnte auf dem Flug kaum schlafen, weil ich so aufgeregt war (und im sitzen zu schlafen auch nicht gerade bequem ist). Um 11:20 Uhr Ortszeit landeten wir schließlich in Beijing. Wir wurden von AFS Betreuern mit einem Bus abgeholt und direkt zum Hotel gebracht, das mitten im Nirgendwo war. Das war aber nicht weiter schlimm. weil wir das Hotel eh nicht verlassen durften. Für den ersten Tag gab es kein Programm, es wurden nur alle 180 Austauschschüler vom Bahnhof abgeholt. Als wir im Hotel ankamen, bekam jeder ein Namensschild, auf dem auch eine Gruppennummer, das Herkunftsland und die Stadt in China in der man leben wird standen, ein AFS T-Shirt mit der Aufschrift We can't spell s_ccess without u auf dem Rücken, einige Hefte mit Sicherheitstipps und AFS Regeln und ein Zettel mit dem Programm. Da für den ersten Tag kein Programm anstand, nutzte ich den Tag um die andern kennenzulernen. Besonders toll fand ich es, wenn ich andere getroffen habe, die nach Harbin gehen. Dabei habe ich auch herausgefunden, dass alle die in die selbe Stadt kommen, die selbe Gruppennummer haben. Es war eine tolle Erfahrung Schüler aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt zu treffen. Ca. 1/3 der Gruppe kam aus Thailand, gaaanz viele aus Italien, 17 aus Deutschland, ein paar aus Frankreich, USA, Dänemark, Schweiz, Norwegen, Lateinamerika und und und.... Am nächsten Morgen gab es ein Meeting in dem uns die AFS Regeln und die chinesiche Kultur kurz vorgestellt wurden. Außerdem bekamen wir einen 5 minütigen Crashkurs in Taiji. Nach dem Mittagessen haben wir einen Ausflug zur chinesischen Mauer gemacht. Jeder Gruppe wurde ein Bus zugewiesen, damit wir während der Fahrt die Möglichkeit hatten, uns über die Stadt in die wir kommen auszutauschen. Es waren ca 30°C und wir mussten, um zur Mauer zu gelangen, sehr viele Treppen steigen, weshalb wir alle durchgeschwitzt und erschöpft auf der Mauer ankamen. Aber die Anstrengung hatte sich gelohnt, denn die Aussicht war wahnsinnig toll. Meine Freundin und ich probierten gleich mal unser neu erlerntes Taiji aus, worüber sich die Chinesen sehr gefreut haben. Abendessen gab es diesmal in einem Restaurant. Ich persönlich mag das chinesische Essen sehr gerne, nur mit dem Frühstück kann ich mich nicht so richtig anfreunden. Reis, Fleisch, Tofu, Pommes, salzige Enteneier und scharfes Irgendwas gehören für mich nicht auf den Frühstückstisch sondern zum Mittag- oder Abendessen.

Abends im Hotel gab es eine Party. Jedes Land sollte etwas typisches aus der Heimat vorführen. Die Russin hatte zum Beispiel ein russisches Kleid an und hat einen typisch russisches Tanz vorgeführt, die Italiener haben die Nationalhymne gesungen, die Lateinamerikaner haben Macarena getanzt und wir Deutschen haben ein Dirndel vorgeführt und das rote Pferd gesungen. Danach wurde Disco Musik angemacht und wir haben alle getanzt und gesungen und den Abend genossen. Am nächsten Tag bekamen wir Informationen zur Abreise und haben eine Gruppendiskussion gemacht. Wir sollten uns selber einen Brief schreiben, den wir nach dem Auslandsjahr zurückbekommen.

Im Laufe des Tages sind alle mit dem Zug oder mit dem Flugzeug in ihre Stadt gebracht worden. Ich musste bis 19:30 die Zeit totschlagen, bis es auch für mich losging. Wir sind mit dem Nachtzug gefahren, aber ich konnte wieder mal nicht schlafen. Nach 11 Stunden sind wir in Harbin angekommen und wuden von unseren Gastfamilien abgeholt. Dann kam die große Überraschung: Ich habe eine neue Gastfamilie!!! Meine Englischlehrerin hat mir erzählt, dass meine Gastmutter auf einer Geschäftsreise ist und meine Gastschwester in der Schule. Ich habe ihr erzählt, dass ich dachte, ich hätte einen Gastbruder, da meinte sie, dass AFS eine neue Gastfamilie für mich gefunden hat, bei der ich auch 10 Monate bleiben kann. Mein Gastbruder macht nämlich ein Auslandsjahr in Deutschland und so hätte ich gar keine Gastgeschwister gahabt. Mein Gastvater hat mich mit einem Porsche abgeholt und ich habe herausgefunden, dass er kein Wort Englisch spricht. Aber dank Smartphones und drei Jahren Chineisch Unterricht klappte die Verständigung halbwegs. Ich fand sogar heraus, dass ich auch auf eine andere Schule gehen werde, und zwar auf die Experimental Middle School. Genauso wie eine Italienerin und eine Isländerin. Zwei gehen auf die No. 9 Moddle School und alle anderen auf die No. 73 Middle School.

Als wir in der Wohnung ankamen, bwar ich begeistert. Man hat von der ganzen Wohnung aus eine Wahnsinns Aussicht auf die Skyline von Harbin, da wir im 27. Stockwerk wohnen. Ich habe sogar mein eigenes Zimmer in dem gleich zwei Betten stehen. Im Esszimmer und im Wohnzimmer hängen Kronleuchter und in meinem Zimmer ist ein großer Flachbildfernseher. Nachdem ich meinen Koffer ausgepackt habe, hat mein Gastvater mir gesagt, dass wir los müssen. Als ich gefagt aheb, wohin es geht, hat er mir sein Hany vor die Nase gehalten, auf dem stand: Wir laufen temporäres Zertifikat.  ?? OK ich war zwar etwas verwirrt, aber was soll's. Er hat mir noch gesagt, dass ich meinen Reisepass und Fotos mitnehmen solle. Da ich keine Passfotos dabei hatte, haben wir an einem kleinen Laden gehalten, der wie fast alles in China, ziemlich schmuddelig und dreckig war. Ich wurde auf einen Holzstuhl vor einer weißen Wand gesetzt und der Fotograph hat ein Foto von mir gemacht. Dann sind mein Gastvater und ich weiter zur Polizeistation gefahren, wo ich meine Aufenthaltsgenehmigung bekommen habe (nach einigem hin und her und einer Stunde Wartezeit versteht sich). Anschließend hat mein Gastvater mir die Frage gestellt, die meine Gastfamilie mir noch sehr, sehr oft stellen wird: Hast du Hunger? Da es schon 12 Uhr war und ich noch nichts gegessen habe, sagte ich ja. Wir sind durch ein Einkaufscenter hindurch gelaufen, in einen Bereich, in dem es viele verschiedene Restaurants gab und mein Gastvater entschied sich für Feuertopf. Ich war sehr froh darüber, denn Feuertopf ist mega lecker! Als wir das Restaurant betraten, starrten mich wieder alle an. Das passiert mir sehr oft in China. Alle gucken mich an, manche sagen noch: Ni hen piaoliang! Was du bist sehr hübsch bedeutet. Manchmal ist das aber auch etwas unangenehm, wenn einige mir ganz nahe kommen und mich mit weit aufgerissenen Augen anstarren. Die meisten lächeln aber sehr freundlich und ein paar wollen sogar ein Foto mit mir machen. Wobei es eigentlich nie bei einem Foto bleibt. Chinesen machen grundsätzlich sehr viele Fotos. 

Im Restaurant bestellte mein Gastvater verschiedene Fleischsorten, Nudeln, Gemüse und etwas von dem ich jetzt weiß, dass es Seealgen sind. Ich habe meinen Gastvater versucht zu fragen, wie alt denn meine Gastschwester sei, daraufhin antwortete er: 6 Uhr abends. Mh... Ansonsten klappte die Verständigung aber ganz gut. Wir fuhren wieder nachhause und ruhten uns kurz aus. Plötzlich kommt jemand zur Wohnungstür herein und spricht ganz schnelles, aufgeregtes Chinesisch mit mir. Zuerst dachte ich, es wäre meine Gastmutter, doch mein Gastvater konnte mir erklären, dass es die Putzfrau war. Dann fragte mich mein Gastvater, ob ich eine chinesische Simkarte hätte. Als ich nein sagte, ist er mit mir gleich in einen Handyladen gegangen und hat erstmal 15 Minuten lang mit dem Cumputer eine gute Handynummer für mich ausgesucht. Als er sich endlich für irgendeine Nummer entschieden hat, hat er mir einen Zettel mit mehreren Tabellen hingehalten und mich gefragt, welchen Tarif ich möchte. Da ich aus den Zeichen nicht so recht schlau geworden bin, sagte ich einfach dass ich eine Internetflat haben möchte. Nach gut einer Stunde haben wir den Laden mit einer chineischen Simkarte und jeder Menge Papier verlassen. Bis heute weiß ich nicht, was ich mit der Simkarte machen kann. Anschließend sind wir in einen Supermarkt gegangen, in dem es mehrere Aquarien mit merkwürdigen Fischen, eine riesen Auswahl an verschiedenen Eiern und undefinierbare Delikatessen gab. WIr haben Milch gekauft auf der auf Deutsch haltbare Vollmilch draufsteht. Um 18 Uhr haben wir meine Gastschwester von der Schule abgeholt (jetzt verstehe ich das auch mit 6 Uhr abends). Ich war sehr aufgeregt und als sie ins Auto gestiegen ist, habe ich sie anglächelt und ihr Hallo gesagt. Doch sie hat weder zurück gelächelt, noch irgendetwas zu mir gesagt. SIe hat nur mit ihrem Vater auf Chinesisch geredet. Ich habe verstanden, wie sie ihren Vater gefragt hat, ob ich denn etwas verstehen würde, und er hat gesagt, dass ich nichts verstehe. (Hah! Von wegen) Dann hat er zu ihr gesagt, dass sie mich begrüßen soll, was sie mit einem Schweigen beantwortete. Hier war mir das erste Mal in China zum Weinen zumute, doch stattdessen lächelte ich sie nur an und tat so, als ob ich nichts verstanden hätte.  

Zuhause erzählte sie mir, dass sie viele Hausuafgaben aufhätte und fragte, ob ich ihr helfen möchte. Ich sagte ja, und machte ihre kompeltten Englisch Hausaufgaben für sie, in der Hoffnung, dass mich dann vielleicht mag. Naja wenigstens hat sie danke gesagt. Mein Gastvater hatte meine Gastmutter vom Flughafen abgeholt und spät abends habe ich sie endlich kennengelernt. Sie ist sehr nett, aber auch sie kann kaum Englisch sprechen. Ich war froh, dass ich das meiste von dem verstand, was sie mir zur Begrüßung gesagt hat. Dann sagten mir meine Gasteltern, dass ich den Koffer packen muss, weil ich am nächsten Tag zu einem dreitägigen AFS Camp fahren sollte. Davon wusste ich überhaupt nichts, aber Ok. Am nächsten Morgen hat mich mein Gastvater um 6 Uhr morgens zum Bahnhof gefahren. Auf mein Guten Morgen! und Bis bald! hatte meine Gastschwester wieder nicht geantwortet. Am Bahnhof habe ich dann die anderen Autauschschüler getroffen und erfahren, dass auch sie nichts von dem Camp wussten. Außerdem sind fast alle Gastgeschwister mitgefahren, bis auf vielleicht 5. Meine eingeschlossen.

Wir sind fast 6 Stunden mit dem Zug gefahren, bis wir in Mudanjiang angekommen sind, keiner wusste so genau wo das eigentlich ist. Ich war mit einer Chinesin und einer Thailänderin auf dem Zimmer, da drei Chinesen und drei Austauschschüler nicht zusammen auf einem Zimmer sein durften. Am nächsten Morgen sind wir zum gelben Wasserfall gefahren. Dort waren sehr viele Chinesen und wieder wurde ich um Fotos gebeten. Ein Mann ist sogar in den Wasserfall gesprungen und alle haben zugesehen und Fotos und Videos gemacht. Am Nachmittag gab es eine Art Training. Wir sollten aufschreiben, was wir vom Auslandsjahr erwarten und was befürchten. Dann mussten wir uns in Gruppen aufteilen und uns einen Namen geben. Alle aus der Gruppe sollten die gleichen Hobbys haben und es sollten mindestens 2 unterschiedliche Nationalitäten vertreten sein. Nach dem Training haben wir vor dem Hotel getanzt und im Anschluss, in einem Geschäft in der Nähe des Hotels, die ganze Schokolade aufgekauft, weil uns allen das westliche Essen fehlte. Abends gab es wieder ein Meeting. Diesmal sollten wir aufschreiben, was wir für das wichtigste halten, das ein Austauschschüler haben muss. Am nächsten Tag haben wir uns noch 2 Schulen angesehen und sind dann wieder zum Bahnhof gefahren. Auf diesem Camp habe ich mitbekommen, dass die anderen Gastgeschwister viel netter und herzlicher zu den Austauschülern sind, als meine Gastschwester. Sie hat mich noch nie umarmt und redet immer nur das nötigste mit mir, oder wenn sie aufgefordert wird.

Am Abend haben meine Gasteltern mir ein paar Vokabeln beigebracht, wie z.B Wasserfall. Hierbei hat meine Gastschwester sehr viel mit mir geredet und war sehr freundlich. Sie wollten sogar, dass ich ihr die Wochentage auf Deutsch beibringe. Außerdem haben meine Gastmutter und meine Gastschwester versucht meinen Deutschen Namen und die Namen meiner Eltern auszusprechen. Sonst nennen sie mich Wang Yuan. Das ist jetzt mein chinesischer Name. Wang ist der Familienname und bedeutet König. Yuan ist mein Vorname und heißt sehr schön. Am nächsten Tag bin ich mit meiner italienischen Freundin und ihrer Gastmutter shoppen gegangen. Davor habe ich auf der Arbeit von meinen Eltern Mittag gegessen. Sie arbeiten beide in einem Geschäft, das Kronleuchter verkauft. Die Gastmutter von meiner Freundin kann sehr gut Englisch sprechen, weshalb wir schnell alles kaufen konnten, was wir wollten. Abends habe ich mich wieder mit meiner Gastfamilie unterhalten. Dabei habe ich erfahren, dass meine Gastschwester seit ein paar Monaten Tennis spielt. Deshalb waren wir heute zusammen Tennis spielen und ich musste feststellen, dass Tennis in China ein bisschen anders gespielt wird als in Deutschland. Davor waren meine Gastschwester, ihre Freundin und ich zusammen Teigtaschen essen. Und nach dem Tennis waren wir zusammen im Kino. Wir haben Monster University auf Chinesisch gesehen und ich habe kaum ein Wort verstanden.  Trotzdem hat meine Gastschwester nicht besonders viel mit mir geredet. Ihre Freundin hat wesentlich mehr mit mir gesprochen und mich auch mal angelächelt. Ich hoffe sehr, das sich das noch legt und sie vielleicht nur schüchtern ist. Als ich ihr gesagt habe, dass ich hoffe, dass wir gute Freunde werden, sagte sie, dass hoffe sie auch. Doch als ich sie heute gefragt habe, ob sie froh darüber sei, eine große Schwester zu haben, hat sie nur gelacht.

Morgen um 8:00 Uhr gehen wir wieder Tennis spielen und am Montag ist dann mein erster Schultag. Ich bin schon sehr gespannt, was mich dann erwarten wird...